Leitfaden zu ETS2: Was Sie jetzt wissen (und tun) müssen
ETS2 ist ein neues System für den Emissionshandel im Rahmen des EU-Pakets Fit for 55. Ziel ist es, die Emissionen bis 2030 um mindestens 55 % zu senken. Anders als beim ETS1 liegt die Verantwortung bei den Brennstofflieferanten und -händlern und nicht bei den Endverbrauchern. Dazu gehören Unternehmen, die Erdgas, flüssige Brennstoffe und Energie für die Beheizung von Gebäuden, den Transport und kleinere Industrieprozesse bereitstellen, die bisher nicht unter das EU-Emissionshandelssystem fielen.
Diese Sektoren tragen erheblich zu den Emissionen der EU bei, ließen sich aber bisher nur schwer regulieren und dekarbonisieren. Durch die Fokussierung auf die Lieferkette macht ETS2 die Einhaltung der Vorschriften einfacher und treibt den Umstieg auf saubere Energie voran.
Lesen Sie weiter, um mehr über Ihre Verpflichtungen und die nötige Vorbereitung zu erfahren.
Für wen gilt ETS2?
Mit dem ETS2 werden Emissionen aus der Verbrennung von Brennstoffen in Gebäuden, im Straßenverkehr und in weiteren Sektoren abgedeckt – vor allem in kleinen Industrien, die bisher nicht im EU-Emissionshandelssystem berücksichtigt wurden. Wenn Ihr Unternehmen in den frühen Phasen der Brennstoffversorgungskette tätig ist, also bevor der Brennstoff die Endnutzer erreicht, gilt das ETS2 sehr wahrscheinlich auch für Sie.
Das System umfasst eine breite Palette fossiler Brennstoffe wie Erdgas, Benzin, Diesel, Heizöl und Kohle. ETS2 betrifft hauptsächlich die folgenden Unternehmen:
Brennstofflieferanten, die Energie für Heizungen, den Straßenverkehr oder kleinere industrielle Anwendungen bereitstellen
Energieversorger und Großhändler, die in den frühen Phasen der Brennstofflieferkette tätig sind
Eigentümer oder Betreiber von Gebäuden, die mit fossilen Brennstoffen heizen
Logistikunternehmen, Flottenbetreiber und Transportunternehmen, die Brennstoffe einsetzen
Kleine Industrieanlagen, die derzeit nicht unter das bestehende EU-Emissionshandelssystem fallen
Wenn Ihr Unternehmen in eine dieser Kategorien fällt, sollten Sie sich jetzt auf die ab 2027 geltenden Berichtspflichten und Compliance-Anforderungen des ETS2 vorbereiten.
Welche Verpflichtungen bringt ETS2 mit sich?
Emissionsberichterstattung & Monitoring
Compliance beginnt mit Daten. Für Unternehmen, die vom ETS2 erfasst werden, liegt die zentrale Verantwortung darin, Emissionen korrekt, konsistent und rechtzeitig zu melden. Auch wenn das System erst 2027 startet, lohnt es sich, frühzeitig vorbereitet zu sein. Wenn Sie sich jetzt mit den Anforderungen vertraut machen, sparen Sie später Zeit, Ressourcen und mögliche Strafen.
Um die ETS2-Vorschriften einzuhalten, müssen Sie Folgendes tun:
Brennstofflieferanten müssen die CO2-Emissionen aus der Verbrennung der von ihnen verkauften Brennstoffmengen melden
Am jährlichen System zur Überwachung, Berichterstattung und Prüfung (MRV), dem sogenannten „ETS-Compliance-Zyklus“ teilnehmen
Die erste Berichtsperiode startet 2028 und umfasst die Emissionen von 2027. Daher ist es entscheidend, schon ab dem ersten Tag über präzise Daten zu verfügen. Richten Sie deshalb jetzt Ihre Systeme und Prozesse ein.
EU-Emissionszertifikate (EUA)
Im Rahmen von ETS2 muss jede emittierte Tonne CO2 durch ein Emissionszertifikat abgedeckt sein. Anders als im aktuellen EU-ETS gibt es keine kostenlose Zuteilung. Zertifikate müssen am Kohlenstoffmarkt oder über Auktionen von Emissionsberechtigungen erworben werden.
Um Preisstabilität zu gewährleisten, setzt die EU bis 2030 eine Preisobergrenze fest. Danach wird die Obergrenze schrittweise gesenkt, was zu weniger verfügbaren Emissionszertifikaten und voraussichtlich höheren Preisen führen wird.
Welche Risiken bringt ETS2 für Ihr Unternehmen?
ETS2 bringt nicht nur Berichtspflichten mit sich, sondern auch finanzielle und operationelle Risiken für Ihr Unternehmen, zum Beispiel:
Steigende Brennstoffpreise: Da die Anbieter die Kohlenstoffkosten weitergeben, werden die Brennstoffpreise voraussichtlich steigen, insbesondere dort, wo umweltfreundliche Alternativen noch nicht weit verbreitet sind oder die Infrastruktur fehlt.
Volatile Zertifikatspreise: Vor allem nach 2030, wenn die Emissionsobergrenze strenger wird und kosteneffiziente Reduktionsmöglichkeiten je nach Branche variieren.
Anpassungsdruck: Je nach Branche kann es notwendig sein, in Elektrifizierung, alternative Brennstoffe, Effizienzsteigerungen oder CCS zu investieren. Aufwand und Kosten unterscheiden sich stark.
Compliance-Risiken: Werden die Berichtspflichten nicht erfüllt oder fehlen Zertifikate, kann dies Bußgelder, betriebliche Verzögerungen oder Imageschäden zur Folge haben.
Diese Risiken sind real, aber vermeidbar. Überprüfen Sie Ihren Brennstoffverbrauch, verbessern Sie Ihr Emissionsdatenmanagement und entwickeln Sie Strategien, um Ihre Abhängigkeit von CO2-Kosten zu reduzieren.
Was sollten Sie jetzt tun, um vorbereitet zu sein?
Das Jahr 2027 mag noch in weiter Ferne liegen, doch um die Vorschriften einzuhalten, sollten Sie jetzt mit den Vorbereitungen beginnen. Drei wichtige Schritte, um loszulegen:
Schritt 1: Emissionen erfassen
Richten Sie Systeme ein, um die verkauften oder genutzten Brennstoffmengen und -arten nach Anwendungsbereich zu erfassen.
Achten Sie darauf, dass Ihre Datenerhebungsmethoden mit dem MRV-System der EU übereinstimmen, um später Lücken oder kostspielige Nachbesserungen zu vermeiden.
Schritt 2: Risiken bezüglich der Kohlenstoffkosten einplanen
Wie wird ETS2 Ihre Bilanz beeinflussen? Überlegen Sie, wie Sie CO2-Kosten an Ihre Kunden weitergeben können und passen Sie Ihre Preisstrategie an.
Gleichzeitig sollten Sie prüfen, wie Sie Emissionen senken können, z. B. durch Effizienzsteigerungen, den Einsatz erneuerbarer Heizsysteme oder den Umstieg auf Elektroflotten.
Darüber hinaus können Sie sich über Herkunftsnachweise (EACs) oder die Beschaffung von Biomethan informieren, um den Einsatz fossiler Brennstoffe zu kompensieren und klimafreundliche Führungsstärke zu zeigen.
Schritt 3: Informiert bleiben und früh handeln
ETS2 ist noch in Entwicklung, aber es wird kommen. Deshalb ist es wichtig, EU- und nationale Vorgaben laufend zu verfolgen.
Vernetzen Sie sich mit Branchenverbänden, Brennstoffregistern und Compliance-Experten, um keine Überraschungen zu erleben.
Und zu guter Letzt: Bereiten Sie sich frühzeitig vor, um Compliance-Risiken im Jahr 2027 zu vermeiden.
Wichtige Erkenntnisse für Ihr Unternehmen
ETS2 führt eine neue Ebene der Compliance für Unternehmen ein, die bisher nicht vom EU-ETS betroffen waren. Brennstofflieferanten werden zwar direkt reguliert, aber auch Endnutzer wie Gebäude oder Flotten werden die Preisfolgen spüren. Frühzeitiges Handeln bei Daten, Preisgestaltung und Emissionsstrategien ist entscheidend, um Kosten zu senken und Compliance in einen Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im EU-ETS helfen Ihnen die Expert:innen von ACT, sich auf neue Regelungen wie ETS2 vorzubereiten. Von der Compliance-Planung über den Bezug von EU-Emissionszertifikaten bis hin zum Risikomanagement decken wir alles ab.
Warten Sie nicht und kontaktieren Sie uns noch heute, um Ihre sichere Strategie zu entwickeln!
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